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10.09.2018 – Lesezeit: 4 Minuten

Produktion und Logistik / Technologie

Wie eine App zur Effizienz in der Fertigung beiträgt

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind in ihren Strukturen häufig flexibler als Großkonzerne. Dadurch haben sie die Chance, auf individuelle Kundenwünsche einzugehen. Das ist ein großes Potenzial für KMU, aber auch eine Herausforderung. Dies kennt man auch bei PS Automation aus Bad Dürkheim. Der Hersteller von Antriebstechnik hat in einem digitalen Pilotprojekt ein Wissensmanagementsystem über eine App eingeführt und dadurch die Effizienz in der Produktion gesteigert.

Seit fast 30 Jahren produziert die PS Automation GmbH Stellantriebe zur Steuerung und Regelung von Armaturen für strömende Medien aller Art, wie Dampf oder Flüssigkeiten. Solche Antriebe stellen den Betrieb von Gebäudetechnik und Industrieanlagen rund um die Uhr sicher. Die Stellantriebe aus Bad Dürkheim in der Pfalz sind weltweit im Einsatz und entsprechend groß ist das Produktportfolio des Familienunternehmens.

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Die vielen Varianten unterscheiden sich dabei teilweise nur durch kleine Details. Den Überblick zu behalten und Änderungen immer aktuell bereitzustellen, ist zeitaufwändig. Insbesondere neue Angestellte oder Aushilfskräfte müssen sich immer wieder bei erfahrenen Kollegen erkundigen oder dicke Papierordner wälzen. Diese Konstruktionspläne sind nicht so einfach auf aktuellem Stand zu halten, weil das Unternehmen sehr dynamisch ist. Änderungen kosten in der Fertigung viel Zeit und können zu Fehlern führen. Um die Effizienz in der Produktion zu steigern und die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, setzt PS Automation auf eine digitale Lösung.

Der Mitarbeiter im Mittelpunkt der Entwicklung

Entscheidend bei einer solchen Lösung ist die Akzeptanz der Mitarbeiter. Darum wurde die Belegschaft von PS Automation von Anfang an in das Digitalisierungsprojekt involviert. Startschuss waren ausführliche Interviews mit den Produktionsmitarbeitern sowie eine Analyse der bestehenden Arbeitsprozesse.

Die Interviews dienten als Grundlage zur Konzeption verschiedener Lösungsansätze. „Für uns war damit eine der größten Hürden genommen. Es war schwer, sich einen Überblick der spezifischen Anforderungen in der Produktion zu verschaffen. Natürlich waren dafür die Mitarbeiter die beste Informationsquelle“, erklärt Geschäftsführer Christian Schmidhuber.

Letztendlich bot eine Lösung in Verbindung mit dem bestehenden ERP-System (Enterprise-Resource-Planning) die größten Potenziale für PS Automation. Die im Unternehmen digital vorliegenden Dokumente werden systematisch im ERP-System erfasst. Dadurch können sie mit den Aufträgen und den individuellen Kundenwünschen verknüpft und zielgerichtet an den entsprechenden Arbeitsstationen in der Fertigung über Tablets angezeigt werden.

Mithilfe einer Web-Applikation sollen Prozesse erleichtert werden

Auf den mobilen Endgeräten läuft eine Web-Applikation, die gemeinsam mit dem ERP-Anbieter entwickelt wurde. Nach einem Barcodescan der Auftragsnummer greift das Programm direkt auf die individuellen Auftrags- und Kundeninformationen im ERP-System zu. Auf diese Weise werden den Produktionsmitarbeitern immer die aktuellsten Konstruktionspläne und Fertigungsinformationen für den vorliegenden Arbeitsauftrag angezeigt.

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„Wir haben die Informationen aus dem ERP-System entsprechend der Anforderungen an den verschiedenen Arbeitsstationen aufbereitet. So können die Mitarbeiter von PS Automation mit Hilfe der neuen Web-Anwendung optimal bei ihren Tätigkeiten angeleitet werden. Diese Unterstützung durch Assistenzsysteme ist eine sehr geeignete, digitale Lösung für den Mittelstand“, so Christian Bosse, Projektkoordinator von Seiten des Mittelstand 4.0-Komptenzzentrums Kaiserslautern. 

Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern, welches das Unternehmen bei der Umsetzung der Digitalisierungsidee in fünf Projekten begleitet, gehört zu Mittelstand-Digital. Mit Mittelstand-Digital unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die Digitalisierung in kleinen und mittleren Unternehmen und dem Handwerk.

Zunächst wurde ein Tablet als Pilotprojekt an einer zentralen Arbeitsstation eingeführt und erprobt. Das gesammelte Mitarbeiterfeedback wird in die Weiterentwicklung der App einfließen. So kann eine hohe Nutzerfreundlichkeit sichergestellt sowie eine auf die Mitarbeiter zugeschnittene Lösung erarbeitet werden. „Der Grundstein für das unternehmensinterne Wissensmanagementsystem ist gelegt. Dadurch, dass die Mitarbeiter direkt eingebunden wurden, ist die Akzeptanz des neuen Tools sehr hoch“, berichtet Andreas Göpel, Betriebsleiter von PS Automation und Projektleiter des Digitalisierungsprojekts. 

In der Folge werden nun schrittweise weitere Arbeitsstationen mit Tablets oder Touchscreens ausgestattet und die Mitarbeiter für den Einsatz der neuen Anwendungen geschult. Ebenso sind weitere Funktionen wie die Dokumentation individueller Erfahrungen bei der Montage komplexer Antriebe angedacht.

Exkurs Wissensmanagement: Wissen ist Produktions- und Erfolgsfaktor

Ziel des Wissensmanagements ist es, das für ein Unternehmen relevante Wissen systematisch aufzubereiten. Unter Wissen wird hierbei aber noch viel mehr verstanden als nur die vorhandenen Daten und Dokumente. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht umfasst Wissen alle Kenntnisse und Fähigkeiten, die von den Mitarbeitern bei der Erledigung ihrer Tätigkeiten sowie zur Problemlösung eingesetzt werden. Das beste Beispiel dafür ist das Erfahrungswissen. So ist fehlt einem Berufsanfänger im Gegensatz zu lang-jährigen Mitarbeitern der Erfahrungshintergrund, um auch bei unerwarteten Problemen im Arbeitsablauf adäquat zu reagieren.

Die rasanten Entwicklungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie eröffnen dem Wissensmanagement umfangreiche Möglichkeiten zur Speicherung, Bereitstellung und zielgerichteten Suche. Insbesondere der Erfahrungsaustausch kann unterstützt und gefördert werden.

Aber die digitalen Technologien bringen auch Herausforderungen mit sich, so zum Beispiel bei der Auswahl geeigneter Medien. Ebenfalls ist es sehr wichtig, dass die Mitarbeiter zur Bedienung des Systems qualifiziert sind und entsprechend geschult werden. Denn auch wenn die technischen Möglichkeiten ein großes Potenzial eröffnen, im Zentrum des Wissensmanagements steht weiterhin der Mensch als Wissensträger, der fähig und gewillt sein muss, die eingesetzte Technologie zu nutzen.

Lesen Sie mehr zum Thema Digitalisierung und welche Lücken im Mittelstand herrschen.

Quelle Fotos: Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern / A. Sell