7. Juni 2018 | pArtikel drucken | kKommentieren

Logistik 4.0: So werden Lieferketten im Mittelstand nicht zum Stolperstein

Die Logistik in mittelständischen Unternehmen muss auf den Prüfstand. Die Lieferkette darf bei der Digitalisierung nicht zum Flaschenhals werden und die Prozesse müssen transparent sein. In vielen Firmen ist das jedoch ein frommer Wunsch. Sie klagen über Störungen, Fehler und undurchsichtige Kosten in der Supply Chain.

Auch in der Logistik steht der Mittelstand unter hohem Wettbewerbsdruck: Produkte müssen schnellstmöglich geliefert und oftmals um Mehrwerte erweitert werden, gleichzeitig gilt es, die Kosten transparent und unter Kontrollen zu halten.

In Deutschland kommt es jedoch in jedem zweiten Unternehmen zu Störungen oder Fehlern in der Lieferkette, insbesondere im Transportwesen, im Einkauf, in der Beschaffung oder in der Auftragsabwicklung. Den größten Optimierungsbedarf sehen die Entscheider dabei in der internen Logistik und im Lager, gefolgt von der Planung und Steuerung der Lieferkette sowie der Auftragsabwicklung. Die Ursachen der Probleme liegen oft in veralteten und isolierten IT-Lösungen.

Vernetzung schafft Transparenz

„Der Kunde möchte alles – und das am liebsten sofort“, beschrieb Dr. Jochen Köckler, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Messe AG, die Situation im Vorfeld der Hannover Messe 2018. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, bedarf es neuer Logistik-Prozesse, die der hohen Komplexität von Lieferketten gerecht werden. Dies beginnt bereits im automatisierten Lager, wo die Abläufe softwaregesteuert sind und Roboter rund um die Uhr eigenständig durch die Hallen navigieren, um Waren zur richtigen Zeit in der richtigen Menge zum richtigen Ort bringen.

Produktions- und Logistikprozesse werden dabei immer enger und besser miteinander vernetzt, um noch effizienter und flexibler und somit kostengünstiger produzieren zu können. So helfen vernetzte Prozesse zum Beispiel auch dabei, Lagermöglichkeiten zu optimieren sowie neue Transportwege und -möglichkeiten zu erschließen. Zudem lassen sich Transporte und Sendungen aus der Ferne verfolgen oder Ausfallzeiten durch vorausschauende Wartung vermeiden.

Es gibt Handlungsbedarf

Eine Umfrage der Bundesvereinigung Logistik (BVL) zeigt jedoch: Viele Unternehmen arbeiten noch wenig digital – und laufen Gefahr, ihre Zukunftsfähigkeit auf Spiel setzen. Speziell im Mittelstand gibt es noch häufig die Einstellung, dass das Unternehmen gar nicht digitalisiert werden muss; Papier, Telefon und Faxgeräte weiterhin eine große Rolle.

Viele Unternehmen arbeiten noch wenig digital – und laufen Gefahr, ihre Zukunftsfähigkeit auf Spiel zu setzen (Quelle: unsplash/ Wendy Scofield).

Der Vorstandsvorsitzende der BVL, Prof. Robert Blackburn, nennt dies – angesichts aktueller Marktentwicklungen und zukünftiger Anforderungen – eine bedenkliche Situation. „Solche Unternehmen riskieren, den Anschluss an eine digitale und vernetzte Wirtschaft zu verlieren“, so Prof. Robert Blackburn. Laut der BVL-Studie Trends und Strategien in Logistik und Supply Chain Management sehen Logistik-Experten vor allem bei der intelligenten Sensorik, dem Datenzugriff über mobile Endgeräte, bei Prognose-Tools, fahrerlosen Transportsystemen sowie der Maschine-zu-Maschine-Kommunikation große wirtschaftliche Potenziale.

Der Mittelstand muss Digitalisierung wagen

Befragungen mittelständischer Unternehmen zeigen immer wieder, dass sie die Herausforderungen beim Umsetzen der digitalen Transformation entweder gar nicht oder nur sehr weit unten auf ihrer Agenda haben. Dafür sind sie sehr stark auf Themen wie den Fachkräftemangel fokussiert. Aber genau hier kann die Digitalisierung helfen. Vernetzungen und Softwarelösungen sorgen zum Beispiel für effizientere Prozesse. Gleichzeitig sind moderne, digitalisierte Unternehmen beliebtere Arbeitgeber für junge Menschen.

Außerdem sind besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) tendenziell besser dazu in der Lage, kleinere Produktionsmengen zu realisieren und schneller auf Änderungen zu reagieren. Für den BVL-Vorstandsvorsitzenden haben sie deshalb grundsätzlich gute Voraussetzungen, um zukünftige Anforderungen zu meistern – etwa individuellere und kleinere Warenströme wirtschaftlich umzusetzen, Entscheidungen aufgrund von Echtzeit-Daten zu treffen oder Plattformen und Apps zu intergieren. Auch vor diesem Hintergrund ist es ratsam, der Digitalisierung einen größeren Stellenwert einzuräumen.

Vom Garagenbetrieb zum Global Player – ein gutes Beispiel für eine erfolgreiche umgesetzte Digitalisierungsstrategie

ANSMANN AG erarbeitete zusammen mit All for One Steeb eine passende Digitalisierungsstrategie (Quelle: unsplash/ rawpixel).

Die ANSMANN AG mit Sitz in Assamstadt in Baden-Württemberg erarbeitete zusammen mit All for One Steeb eine passende Digitalisierungsstrategie, von der sie nun in vielerlei Hinsicht profitiert. Das mittelständische Unternehmen zählt zu den Marktführern im Bereich Lade- und Netzgerätetechnik und hat sich in weniger als zwanzig Jahren vom Garagenbetrieb zu einem Global Player entwickelt. Die bisherige heterogene Systemlandschaft stieß bei der Abbildung der komplexen logistischen und vertrieblichen Prozesse an ihre Grenzen.

ANSMANN entschied sich, eine integrierte Unternehmenssoftware einzuführen, die alle Prozesse in einem System abbilden sollte – nach sorgfältiger Prüfung fiel die Wahl auf SAP ERP und den SAP-Lösungsanbieter All for One Steeb. Ein Highlight des Projekts war die Einbindung des Logistikzentrums in China. Dadurch konnten sämtliche Prozesse der globalen Wertschöpfungskette transparent abgebildet bzw. effizienter gestaltet werden. In diesem Zusammenhang wurde auch eine ganz spezielle Herausforderung gemeistert: Die Erfüllung der strengen, von außen oft schwer zu durchschauenden gesetzlichen Anforderungen in China.

Mit der Einführung von SAP ERP kann die ANSMANN AG nun ihre gesamten Unternehmensprozesse – auch die standortübergreifenden – in einem einzigen System abbilden und konsolidiert gleichzeitig ihre Stammdaten. Die Erweiterbarkeit des Systems garantiert dem mittelständischen Erfolgsunternehmen darüber hinaus auch die Flexibilität, den Herausforderungen der Zukunft angehen zu können.

„Die digitale Transformation wird alle Bereiche der Logistik komplett verändern: Von der Frachtvermittlung über die Transportverfolgung bis zur Rechnungsstellung. Mit datenbasierten, intelligenten Lösungen sind Unternehmen auf der sicheren Seite“, so das Fazit von Matthias Martens, Beratungsleiter Supply Chain Execution bei All for One Steeb.

 

Quelle Titelbild: unsplash/ Hannes Egler

Mittelstand.Heute Redaktion

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