15. Mai 2018 | pArtikel drucken | kKommentieren

Von Goldfischen und Recruiting

Goldfische sind aufmerksamer als Menschen. Klingt erschreckend, ist aber tatsächlich wahr, wenn man einer Untersuchung von Microsoft aus dem Jahr 2015 Glauben schenkt. Ein Goldfisch hat eine Aufmerksamkeitsspanne von neun Sekunden, während es der Mensch sogar nur auf acht Sekunden bringt und dann immer weiter abbaut. Vor allem im virtuellen Umfeld. Nun denken Sie sich sicher: Interessant, aber was hat das mit meinem Recruiting zu tun? Ich sage Ihnen: eine ganze Menge!

Aufmerksamkeit gewinnen und halten– aber richtig

Es ist Ihnen sicherlich nicht neu, dass im Recruiting eine Knappheit an (qualifizierten) Bewerbern vorherrscht. Zahlreiche Unternehmen buhlen um die Gunst der Kandidaten, und wenn man nicht gerade mit dem Namen eines bekannten Großkonzerns gesegnet ist, muss man sich als Recruiter dringend Gedanken dazu machen, wie man die Aufmerksamkeit auf sein Unternehmen als potenziellen Arbeitgeber lenkt.

Und wie soll das gehen? Einerseits sollte man sich natürlich von der breiten Masse an Konkurrenten abheben. Andererseits sollte man die Aufmerksamkeit der Kandidaten zumindest so lange auf sich ziehen (denken Sie an die acht Sekunden!), bis diese angefixt sind und mehr über Sie als potenziellen Arbeitgeber erfahren möchten.

Die Lösung: Inbound Recruiting

Inbound Recruiting? Schon wieder so ein neumodischer Begriff. Haben Sie bisher noch nicht gehört? Kein Wunder, handelt es sich doch um ein recht neues und noch nicht besonders weit verbreitetes Instrument der Personalgewinnung. Ursprünglich stammt die Methode aus dem Marketing, wie der Name schon vermuten lässt, und steht im Gegensatz zum sogenannten Outbound Marketing.

Klassisches Outbound Marketing ist das, was Sie bislang schon betreiben: Kunden per Flyer, Telefonanrufe oder andere Werbemaßnahmen aktiv auf das Unternehmen aufmerksam machen. Im Inbound Marketing dagegen sollen attraktive Inhalte zur Verfügung gestellt werden und Interessenten somit eigenständig den Weg zum Unternehmen finden. Diese Vorgehensweise lässt sich wunderbar auf die Rekruitierung von potenziellen Mitarbeitern anwenden.

Bei dem Begriff Inbound Recruiting handelt es sich um ein neues Instrument der Personalgewinnung. (Quelle: iStock/YurolaitsAlbert)

Wie funktioniert das genau?

Personalgewinnung funktioniert heutzutage zu großen Teilen im Internet. Dies ist eine bekannterweise äußerst schnelllebige Plattform. Gepaart mit der kleinen Aufmerksamkeitsspanne von Nutzern (zur Erinnerung: acht Sekunden!) ist es sehr schwierig, Kandidaten länger und nachhaltig auf das eigene Unternehmen als potenziellen Arbeitgeber aufmerksam zu machen. Möglich macht dies die Bereitstellung von wertvollem Content wie beispielsweise Fachartikel in einem eigenen Blog und Vorträge zu spezifischen Themenbereichen, in denen das Unternehmen unterwegs ist. Dadurch werden Spezialisten längerfristig auf ein Unternehmen aufmerksam und nehmen dieses als potenziellen Arbeitgeber wahr – auch wenn sie vielleicht aktuell gar nicht auf der Suche nach einer neuen Position sind.

Wenn Inbound Recruiting, dann richtig

Wie bei jedem Auftritt, der nach Außen führt, ist eine durchdachte Strategie zur Kommunikation unerlässlich. Folgende Fragen muss sich jedes Unternehmen stellen, um überhaupt sinnvolle Schritte für das Inbound Recruiting einleiten zu können:

Quelle: iStock/ phive2015

  • Wer ist meine Zielgruppe?
  • Welcher Content interessiert meine Zielgruppe und wie kann ich diesen aufbereiten, damit er entsprechend wahrgenommen wird?
  • Welche Kanäle nutze ich für eine Verbreitung meiner Inhalte? Vorträge, Fachartikel, Newsletter, Erklärvideos, Podcasts oder eine Kombination aus verschiedenen Tools?
  • In welchem Abstand müssen Inhalte zur Verfügung gestellt werden, um Kandidaten nicht durch zu große Zeitabstände zu verlieren?
  • Habe ich ausreichend interne Kapazität und Know-how, um meine Kanäle regelmäßig mit Inhalten zu füttern?

Erst wenn Sie diese Fragen ausreichend tief und fundiert beantwortet haben, sollten Sie sich an das Inbound Marketing wagen. Denn in gleichem Maße wie es Sie in der Personalgewinnung unterstützen kann, könnte es ein negatives Bild auf Ihr Unternehmen werfen. Nämlich dann, wenn der Inhalt nicht wertvoll genug ist oder Ihre Kanäle irgendwann einschlafen und nicht mehr regelmäßig mit Inhalten befüttert werden.

Wagen Sie es

Sicherlich ist das Inbound Recruiting nicht das entspannteste Marketing Tool. Es bedarf guter Vorbereitung und stetiger Betreuung, um sich wirksam zu entfalten. Es ist um einiges aufwendiger als die alt bekannte „Post and Pray“ Mentalität. Dafür lohnt sich ein solches Instrument weitaus mehr. Zum einen hebt man sich mit einer solchen Recruitingmaßnahme von Mitkonkurrenten auf dem Arbeitsmarkt ab und man hat einen größeren Suchradius von Bewerbern. Außerdem macht vor allem passive Kandidaten auf sich aufmerksam, also Menschen, die gar nicht aktiv auf Jobsuche sind. Also: wagen Sie den Invest und es wird sich lohnen.

 

Quelle Titelbild: iStock/VSanandhakrishna

 

 

Mittelstand.Heute Redaktion

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