25. April 2018 | pArtikel drucken | kKommentieren

Lieferketten: Digitalisiert wird noch im Schneckentempo

Neue digitale Technologien und Lösungen entwickeln sich in einem rasanten Tempo – dabei können Lieferketten allerdings nur schwer mithalten. Ihre Digitalisierung erfolgt immer noch im Schneckentempo. Dabei bringt die Einführung eines modernen Supply Chain Planning nicht nur mehr Effizienz, sondern kann nach maximal vier Jahren auch zu einer internen Rendite von 15 bis 25 Prozent führen.

Die Zeiten, in denen Rohstoffe und Güter nur von A nach B transportiert wurden, sind vorbei. Um wettbewerbsfähig zu bleiben und steigenden Kundenansprüchen gerecht zu werden, ist heute die digitale Vernetzung der Wertschöpfungs- und Lieferkette erfolgsentscheidend. Waren müssen reibungslos und zügig produziert und verfrachtet werden können – und das lokal wie international. Eine optimal vernetzte Supply Chain besteht dabei aus Datenbeschaffung, Tracking & Tracing sowie Predictive Analytics.

Vor allem Prognosen machen Probleme

Aber: Die Hälfte aller Unternehmen hält die eigene Lieferkettenstrategie für veraltet und nicht geeignet für die künftigen Anforderungen. Laut der Roland Berger-Studie „Supply Chain Planning 4.0“ bewerten zwar zwei Drittel der Firmen ihre jetzige Lieferkettenstrategie für effektiv, und drei Viertel sagen zudem, sie erfülle die derzeitigen Anforderungen. Es hapere aber vor allem bei der Bedarfsplanung. Hier sehen mehr als die Hälfte der Firmen (56 %) schon heute Probleme.

„Der Sinn von Supply Chain-Planning ist für Unternehmen, den Bedarf der Kunden so genau wie möglich abzuschätzen“, erklärt Sven Siepen, Partner von Roland Berger. „Dadurch können Firmen sicherstellen, dass sie das richtige Produkt in der richtigen Menge über den richtigen Lieferweg zur richtigen Zeit erhalten.“ Der Idealfall wären 100 Prozent genaue Vorhersagen, null Lieferengpässe und eine höchst effiziente und flexible Lieferkette.

 

Häufig veraltet: IT und Planungsmethoden

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Veraltete IT und Planungsmethoden verursachen operative Ineffizienz. Daher sollten neue effizientere Methoden her (Quelle: iStock/yoh4nn).

„Die reale Welt sieht allerdings anders aus“, erklärt Siepen. „Neue disruptive Technologien, politische und wirtschaftliche Unsicherheiten, der Trend zu immer mehr personalisierten Produkten und andere Faktoren sorgen für unvorhersehbare radikale Veränderungen und machen Prognosen zunehmend schwer. Unternehmen brauchen daher eine hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Dem muss auch das Supply Chain-Planning Rechnung tragen.“

Schuld daran: Veraltete IT und Planungsmethoden. „Sie verursachen operative Ineffizienz – zum Beispiel, weil ungenaue Bedarfsprognosen oft kurzfristige Anpassungen erfordern“, bemängelt Carsten Bock, Partner bei Roland Berger.

Ein Studienteilnehmer bestätigt dies: „Wir nutzen Planungssysteme, die weder integriert sind noch untereinander Daten austauschen. Das belastet den Planungsprozess und erschwert Korrekturen, falls diese nötig werden.“

In drei Schritten zur einer optimalen Lieferkettenstrategie

Roland Berger empfiehlt ein dreistufiges Verfahren, um ein zukunftsfähiges Supply Chain Planning aufzubauen:

– Analyse: In der ersten Phase sollten die derzeitige Situation und ihre Schwächen genau analysiert werden.

– Vision: In einem zweiten Schritt geht es darum, eine Vision für die zukünftigen Lieferkettenprozesse, deren Organisation und die benötigten Systeme zu entwickeln. Im Fokus steht dabei auch die Digitalisierung, denn hier gibt es großen Nachholbedarf: Für 56 Prozent der Befragten ist ihr derzeitiges IT-System nicht geeignet, um Supply Chain-Prozesse effektiv zu unterstützen. Nur bei einem Viertel der Firmen ist die Bedarfsplanung überhaupt digitalisiert.

– Konkrete Umsetzung: Dies sei ein langsamer Prozess, der sich über Jahre ziehen kann, je nach aktuellem Reifegrad des aktuellen Firmensystems.

Aufwand und Investitionen lohnen sich

Die Vorteile moderner Supply-Chain-Lösungen liegen auf der Hand: Kurzfristige Planungsänderungen sollen sich um 20 bis 30 Prozent reduzieren, die Produktionskapazitäten besser nutzen lassen, die Kosten sinken, die Zeit bis zur Markteinführung neuer Produkte verkürzt sich und insgesamt wird die Lieferkette agiler und flexibler. „Unsere Erfahrung zeigt, dass sich die Investitionen bei einer internen Rendite von 15 bis 25 Prozent innerhalb von zwei bis vier Jahren amortisieren“, sagt Siepen.

Quelle Titelbild: iStock/Leoba

Mittelstand.Heute Redaktion

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