9. März 2018 | pArtikel drucken | kKommentieren

5 teure Mythen rund um Big Data

Daten sind das Gold des digitalen Zeitalters, heißt es so schön. Um diese auszuwerten und nutzbar zu machen, kommt Big Data Analytics eine Schlüsselrolle zu. Aber es gibt einige Fehleinschätzungen oder Mythen, welche die Unternehmen teuer zu stehen kommen können.

Daten sind zum Motor geworden, der das digitale Wachstum antreibt und neue Einnahmequellen generiert, schreibt Marc Wilczek, Geschäftsführer beim Sicherheitsanbieter Link11 als Expertenbeitrag für die Computerwoche. Er zitiert dabei die IDC-Prognose von April 2017, dass sich das globale Datenvolumen in den zehn Jahren zwischen 2016 und 2025 auf 163 Zettabyte (rund 179,22 Billionen Gigabyte) verzehnfachen wird. Zugleich erhöhe sich aber auch das Risiko, „enorme Kosten zu produzieren, wenn Daten wahllos per Autopilot gesammelt werden und es zu einer Datenpanne kommt“.

Die Kosten gehen in die Billionen

Veritas geht in einer aktuellen Studie davon aus, dass vermeidbare Speicher- und Verwaltungskosten im B2B-Bereich bis 2020 auf ein Volumen von 3,3 Billionen oder 3.300 Milliarden Dollar anwachsen könnten. Diese Zahl sollte zu denken geben, denn in einer Fußnote betont der amerikanische Datenmanagement-Software-Spezialist, dass das noch konservativ gerechnet ist. Wie Wilczek weiter argumentiert, laufen die Unternehmen Gefahr, aufgrund von Mythen teure Fehleinschätzungen zu treffen. Er hat dabei fünf Mythen herausgepickt und auseinander genommen:

Quelle: Evernine

1. Je mehr Daten, desto wertvoller

Ungenutzte Dark Data machen der Veritas-Studie zufolge im Schnitt 52 Prozent des Datenvolumens in den Unternehmen aus; redundante, obsolete und triviale sogenannte ROT Data 33 Prozent. Nur 15 Prozent der Unternehmensdaten könnten tatsächlich als geschäftskritisch gesehen werden. Die Speicherung der „dunklen Daten“ kostet die Unternehmen aber satte 20,5 Millionen Dollar – pro Jahr. Das heißt, ohne Data Governance und Life-Cycle-Management wird sich die Zahl der nutzlosen Daten nur erhöhen und die Menge der Daten zu mehr Kosten führen.

2. Cloud-Speicher ist „praktisch umsonst“

Das Auslagern von Daten in die Cloud wird immer beliebter und ist laut Wilczek in vielen Fällen auch wirtschaftlich sinnvoll, bei IoT-basierten Geschäftsmodellen etwa, im Bereich Unified Communications & Collaboration, bei der Softwareentwicklung oder beim CRM. Laut Schätzungen von Cisco wird sich die Menge der in Rechenzentren ausgelagerten Daten von 2015 bis 2020 von 171 auf 915 Exabyte mehr als verfünffachen.

Es ist jedoch ein Mythos, dass die Daten dort „kostenlos“ abgespeichert werden. Denn abgesehen von dem Migrationsaufwand für die Unternehmen werden die RZ-Anbieter den „kostenfreien“ Speicher durch ein datenzentrisches Geschäftsmodell oder durch Cross-Selling schon irgendwie zu Geld machen oder subventionieren. Außerdem verlangt die Cloud ein tiefgehendes Verständnis der Daten samt ihrer Attribute oder Metadaten, bevor sie dorthin verlagert werden. Dark Data in die Cloud zu verschieben sei „vergebene Liebesmühe und pure Geldverschwendung“. Ferner müsse auch der Lock-in-Effekt berücksichtigt werden, weil die Daten exponentiell wachsen und eine sehr große Gravitationskraft entwickeln. Die Rückübertragung großer Datenmengen aus der Cloud könne für die Unternehmen später zu einer „immensen Herausforderung“ werden, so Wilczek.

3. Alle halten sich an die Spielregeln

Mit Bring Your Own Device (BYOD) verschwimmen die Grenzen zwischen geschäftlichen und persönlichen Daten (Quelle: iStock/Rawpixel).

Dass sich alle Mitarbeiter im Unternehmen an die Richtlinien für den Umgang mit Unternehmensdaten halten, ist ebenfalls ein Mythos. Mit Bring Your Own Device (BYOD) verschwimmen die Grenzen zwischen geschäftlichen und persönlichen Daten. So zeigt die besagte Veritas-Studie, dass 65 Prozent der Mitarbeiter der befragten Unternehmen nicht genehmigte Synchronisierungs- und Speicherdienste nutzen, Dropbox etwa. Jeweils 57 Prozent speichern Fotos sowie private Dateien und Dokumente über die Unternehmens-IT ab, 47 Prozent Musik-Dateien und 43 Prozent Social-Media-Inhalte, ein Drittel Videos und 26 Prozent Spiele. Für die User mag das zwar praktisch sein, aber für die Unternehmen bedeutet das eine Kostenexplosion, weil sie Petabyte-weise unnütze Daten archivieren müssen.

4. Daten sind alle gleichwertig

Daten werden oft über einen Kamm geschoren und nicht oder falsch klassifiziert, sodass die „digitalen Kronjuwelen“ teilweise unzureichend geschützt sind, andere weniger wichtige Datensätze dagegen doppelt und dreifach abgesichert werden. Eine Studie von Ernst & Young zeigt, dass 51 Prozent der Befragten personenbezogene Daten als die wichtigste oder zweitwichtigste Kategorie sehen, aber nur 11 Prozent von ihnen die Rechte am geistigen Eigentum. So werden die persönlichen Daten der Vorstände und Aufsichtsräte meist über die firmeneigenen Patente oder Ergebnisse von Forschung und Entwicklung gestellt. Eine intelligente Datenverwaltungssoftware könne helfen, unternehmensweit Transparenz zu schaffen, die Daten zu klassifizieren und den jeweiligen Mehrwert zu extrahieren, meint Wilczek.

5. Schutz gegen Datenpannen reicht aus

Trotz zunehmender Cyberattacken wird die Gefahr von Datenpannen vielfach unterschätzt. Dabei sind die Unternehmen durch die steigende Zahl von Datensilos und digitalen Geschäftsprozessen „exponentiell steigenden Risiken“ ausgesetzt. Der Studie von Ernst & Young zufolge haben sich nur 42 Prozent der Organisationen auf eine Kommunikationsstrategie geeinigt oder haben einen Plan für eine signifikante Cyberattacke. 39 Prozent sagen, sie würden es innerhalb von sieben Tagen den Medien melden, rund 70 Prozent den Regulierungsbehörden. Allerdings würden sich 46 Prozent der Befragten scheuen, ihre Kunden zu informieren, 56 Prozent ihre Lieferanten, selbst wenn deren Daten betroffen sind. Im Zweifelsfall kann das die Unternehmen teuer zu stehen bekommen, weil weder die Kunden, noch die Anteilseigner, noch die Lieferanten Verständnis dafür aufbringen werden, wenn keine oder unzureichende Vorbereitungen gegen Datenpannen und Cyberattacken getroffen wurden, schließt Wilczek den Computerwoche-Artikel.

 

Quelle Titelbild: iStock/courtneyk

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