25. Januar 2018 | pArtikel drucken | kKommentieren

Die deutsche Wirtschaft ist stark – aber auch digital?

Sieht man sich die offiziellen Kennzahlen des Statistischen Bundesamtes an, zeigt sich schnell, dass es der deutschen Wirtschaft gut geht. Vor allem im verarbeitenden und produzierenden Gewerbe hat Deutschland in beiden Bereichen seit 2010 um 14 Punkte zugelegt. Was ist aber mit der Digitalwirtschaft, die mittlerweile einen wichtigen und großen Bestandteil des globalen Marktes ausmacht? Wie sieht der Stand hierzulande aus?

Geht man von den reinen Zahlen aus, ist es sehr erfreulich, dass die hiesige Wirtschaft zu den stärksten der Welt gehört. Allein 2016 wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 1,9 Prozent und somit schneller als in jedem anderen G7-Land. Die Beschäftigung stieg im letzten Jahrzehnt ebenfalls und befindet sich mit einer Quote von rund drei von vier vermittelbaren Erwerbstätigen auf einem Rekordhoch. Was auf den ersten Blick kein schlechtes Bild ist, könnte sich aber in den nächsten Jahren ändern. Denn in Zeiten fortschreitender Automatisierung, IoT-Devices und von Analytics getriebenem Geschäft gibt es Nachholbedarf.


Dieser Beitrag richtet sich an:

  • CEOs und Entscheider, die ihre Unternehmen fit für ein digitales Zeitalter machen wollen
  • CIOs und IT-Verantwortliche, die sich in der Umsetzungsphase der Cloud Transformation befinden
  • CFOs, die mit den Technologien neue Geschäftsfelder generieren und klassische Strukturen auf einem schnelllebigen Markt umstellen wollen

Wie eine Studie des McKinsey Global Institute im Juli 2017 feststellt, schöpft die deutsche Wirtschaft lediglich zehn Prozent ihres digitalen Potenzials aus und liegt damit sogar noch unter EU-Durchschnitt. Technologieführende Nationen wie die USA nutzen mit 18 Prozent fast das Doppelte ihrer Möglichkeiten, die sich in der Digitalwirtschaft anbieten. Und das vor allem dank der Konzentration der IT-Größen, die die riesige Denkfabrik an der Westküste der USA bilden, welche besser als das Silicon Valley bekannt ist.

Deutschland mangelt es an Innovationsgebern

Dies ist vermutlich einer der wichtigsten Punkte für die etwas träge voranschreitende Digitale Transformation in Deutschland, denn es fehlen wichtige Impulsgeber aus der Wirtschaft, die von internationaler Erfahrung in verschiedenen länderspezifischen Märkten profitieren. SAP ist da als Weltmarktführer für Unternehmenssoftware ein leuchtendes Vorbild dafür, dass IT-Expertise in Deutschland vorhanden ist. Davon abgesehen fehlen aber wichtige Player in Bereichen, die momentan und in Zukunft verstärkt wichtiger werden.

 

Automatisierungspotenzial nach Tätigkeiten. (Quelle: US Bureau of Labor Statistics; Analysen des McKinsey Global Institute)

 

Das betrifft beispielsweise elektronische Konsumgüter und Online-Plattformen, die Händler und Kunden zusammenbringen und gleich noch die Transaktionen abwickeln – wie beispielsweise Amazon, Apple und Alphabet mit ihren Bezahldiensten, die bald auch in Deutschland kontaktlos per Smartphone funktionieren werden. Daimler, Allianz, die Deutsche Bank und einige andere Unternehmen versuchen sich gegen die Datenmacht aus Übersee zu stellen und entwickeln gerade eine vereinheitlichte Anmelde- und Bezahlplattform, die später weitere Unternehmen ins Boot holen soll.

Neue Geschäftsfelder dank künstlicher Intelligenz

Ein weiteres, wichtiges und weit umfassendes Feld ist die künstliche Intelligenz (KI), die in nahezu allen Branchen für Produktivitätssteigerung oder die Generierung neuer Geschäftsfelder genutzt werden kann, Stichwort Predictive Analytics. Hier haben vor allem amerikanische Unternehmen eine Vormachtstellung, unter anderem IBM Watson oder Googles Algorithmen, die auf eine Vielzahl genauer und gut verknüpfbarer Daten zugreifen können.

„Nicht nur volkswirtschaftlich, auch aus Sicht der Unternehmen verspricht KI Vorteile: Sie gibt Mitarbeitern die Möglichkeit, sich ständig wiederholende oder gefährliche Arbeiten an Computer und Roboter abzugeben und sich auf wertschöpfende und interessante Aufgaben zu konzentrieren.“
– 
Harald Bauer, Seniorpartner im Frankfurter Büro von McKinsey

Die Zukunft liegt in der Cloud

Bis 2030 könnte sich so eine Produktivitätssteigerung von bis zu 2,4 Prozent ergeben, was umgerechnet die Erhöhung des BIP um 15.750 Euro pro Einwohner bedeuten würde. Momentan werden diese Chancen noch nicht ausreichend genutzt, wobei die Unternehmer jedoch optimistisch in die Zukunft blicken und die Weichen zur Digitalisierung bereits gestellt sind. Nur fehlt es ein wenig am Tatendrang, vor allem, wenn es um die Nutzung von Cloud-Applikationen und -Services geht, denn diese stellen das Fundament neuer, technologischer Entwicklungen dar.

Dabei hat sich die Adaption der Cloud und Everything-as-a-Service (XaaS) in der letzten Zeit deutlich beschleunigt, auch wenn viele Unternehmen den Trend ein wenig ausgesessen haben. Hier gilt es nun die letzten Schritte in die Cloud und hin zu Cloud-Native Applications zu gehen, denn die nächste Technologie steht nicht nur vor der Tür, sondern ist bei einigen globalen Playern bereits im Einsatz: die Blockchain.

 

Viele Unternehmen horten Liquidität für spätere Investitionen und als Risikoabsicherung. (Quelle AMECO; Analysen des McKinsey Global Institute)

Impulse durch Wirtschaft und Politik sind notwendig

Daimler wickelt Schuldscheine bereits über diese dezentralisierte Datenbank ab, und Finanzunternehmen nutzen RippleNet, um (Mikro-)Transaktionen innerhalb von Minuten über den Globus zu verschicken. Genauso werden Automatisierungsprozesse im produzierenden Gewerbe durch die Blockchain beschleunigt und machen zahlreiche Prozesse zudem simpler und kostengünstiger.

Auch hier ergeben sich für Deutschland Chancen, mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht nur Anschluss zu finden, sondern in diesem für die Zukunft bedeutenden Bereich globale Akzente zu setzen. Förderungen und Anreize durch die Politik können hier helfen, aber auch der Mut deutscher Unternehmen, Start-ups mit vielversprechenden Ansätzen mit Risikokapital zu unterstützen.

Die deutsche Wirtschaft muss und kann ihre starke Stellung auch in einer zunehmend digitalen Welt festigen, auch gegenüber globaler Konkurrenz. Denn das Silicon Valley und die amerikanische Wirtschaft werden immer stärker, und auch die asiatischen Unternehmen treten auch nicht auf der Stelle.

 

Quelle Titelbild: iStock/YurolaitsAlbert

Mittelstand.Heute Redaktion

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