8. Dezember 2017 | pArtikel drucken | kKommentieren

Was bedeutet Automatisierung für die Arbeitswelt von morgen?

Wenn man dem renommierten Computerwissenschaftler Ray Kurzweil glauben schenkt, wird der Mensch 2045 nicht mehr das intelligenteste Wesen auf diesem Planeten sein. Künstliche Intelligenzen (KIs) werden uns laut dem Zukunftsvisionär bis dahin geistig überholt haben – eine Entwicklung, die momentan unter Cognitive Computing zusammengefasst wird. Ob sich diese Prognose bewahrheitet, wird die Forschung in den nächsten Jahren zeigen. Die Vorstufe zu echten, kognitiven KIs ist jedoch längst im Einsatz und nennt sich “Robotergestützte Prozessautomation” oder kurz RPA. Welchen Nutzen haben die Services, die unter diesen Oberbegriff fallen und wie verändern sie den Arbeitsmarkt?

Unter RPA fasst man im Grunde alle Automatisierungen zusammen, die Menschen sich wiederholende Tätigkeiten abnehmen. Darunter zählen alle Roboter an Fertigungsstraßen oder Maschinen, die wenig geistig fordernde Routineaufgaben übernehmen. Im Zuge der Industrialisierung hat diese Entwicklung zu deutlich erhöhter Effizienz und einem Anstieg der Produktionsmengen geführt.

Outsourcing an Maschinen, nicht Menschen

In der heutigen Zeit der Digitalisierung zählen zu RPA aber auch Prozesse, die teils immer noch von Arbeitskräften ausgeführt werden. Darunter fallen Aufgaben in der Buchhaltung, Bestellabwicklungen und andere Tätigkeiten, die in den letzten Jahren gerne in Länder ausgelagert wurden, in denen die Arbeitsleistung deutlich billiger ist. Dies ändert sich aber zunehmend, denn der weit gefassten Begriff “Roboter” umfasst grundsätzlich alle Hilfsmittel, die die verschiedensten Prozesse automatisieren können. Hierzu gehören beispielsweise auch Chatbots, die zunehmend Call Center Agents und Service-Desk-Mitarbeiter ablösen.

 

 

Die Nachfrage nach Arbeitern für Routineaufgaben sinkt dank der Automatisierung immer weiter. (Quelle: University of Oxford/Citi)

 

Bei Konsumartikeln sind die prominentesten Beispiele die Sprachassistenten Siri, Alexa und Google Assistant, und auch SAP setzt mit seinem CoPilot in S/4HANA-Systemen auf einen virtuellen Helfer, der die Workflows und Tasks in Fiori für die Mitarbeiter vereinfachen und Anweisungen ausführen kann.

Disruptive Startups verändern den Arbeitsmarkt

Während die Assistenten eher unterstützende Services darstellen, krempeln andere RPAs ganze Branchen um: Die Rede ist von der vielzitierten Disruption. In der Versicherungsbranche kommen zum Beispiel KI-gestützte Systeme zum Einsatz, die für jede Person individuelle Versicherungsverträge erstellen und die sowohl leistungs- als auch preistechnisch die bestmögliche Variante errechnen.

Das New Yorker Startup Lemonade macht in diesem Bereich gerade Furore und wirbt sogar damit, den Versicherungsprozess in 90 Sekunden per App abzuwickeln. Inklusive der Einschätzung abhängig von Einkommen, Wohnlage, etwaigen äußeren Risiken und weiteren Faktoren. Das macht Sachbearbeiter tatsächlich obsolet und hat auch in China dafür gesorgt, dass die größten Versicherer tausende Mitarbeiter durch Computersysteme ersetzt haben.

 

Disruption im Versicherungswesen mit dem Startup Lemonade

 

In der Finanzbranche bestehen solche Automatismen schon seit Jahren, wie die Mainframes, die an den Börsen Mikrotransaktionen durchführen und in Sekundenbruchteilen Aktien an- und wiederverkaufen. Es stellt sich also die Frage, inwiefern Menschen in Zukunft überhaupt noch “stupide” Aufgaben erfüllen müssen und wie sich das auf den Arbeitsmarkt auswirkt. Die Universität Oxford hat in ihrer Studie “Technology at Work v2.0 – The Future is Not What It Used to Be” festgestellt, dass bereits heute fast jeder zweite Job durch RPAs ersetzt werden kann – und zwar mit Mitteln, die uns bereits jetzt zur Verfügung stehen.

Neues Arbeiten bringt neue Herausforderungen

Während in den Medien in den letzten Jahren bereits Unkenrufe laut wurden, dass irgendwann niemand mehr einen Job hat, liegt die Wahrheit wohl eher dazwischen. Zum einen verlagern sich die Anforderungen an den Arbeitsmarkt auf Jobs, die die Programmierung, Wartung und Entwicklung neuer Technologien übernehmen. Letztlich entstehen somit neue Berufe, die für die Mitarbeiter positive Herausforderungen statt Robotertätigkeiten mit sich bringen und sie im besten Fall auch persönlich erfüllen. Das beschränkt sich nicht nur auf die Programmierung, sondern auch auf die Felder Design, strategische Planung und Berufe, die heute noch nicht existieren.

Zum anderen muss aber auch klar festgelegt werden, wann Automatisierungen Sinn machen und ob sie zur Unternehmenskultur passen. Nicht jede Aufgabe muss zwingend von einer Maschine erledigt werden und bis KI, kognitive Systeme und neuronale Netze an das Denkvermögen von Menschen herankommen, wird noch eine Menge Zeit vergehen. Es macht dennoch Sinn, die eigenen Prozesse nochmal zu überdenken und wo möglich durch moderne und effektivere Varianten zu ersetzen.

Quelle Titelbild: PhonlamaiPhoto/iStock

Mittelstand.Heute Redaktion

Hier schreibt Mittelstand.Heute Redaktion für Sie

Mehr Artikel vom Autor

Teilen:

Schreiben Sie einen Kommentar

Mit einem Netzwerk anmelden, oder das Formular ausfüllen. Die E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Notwendige angaben sind mit * gekennzeichnet.