24. August 2017 | pArtikel drucken | kKommentieren

Digitalisierte Fertigung: So läuft Automotive heute

Die Digitalisierung betrifft ausschließlich die Firmen-IT? Weit gefehlt – auch die Fertigung wird immer stärker dadurch beeinflusst. Wie konkret digitale Trends in der Automobil-Industrie bereits gelebt werden und welche Vorteile sie haben, lesen Sie hier.

Es mag überraschend klingen, doch bis vor einigen Jahren lief die Montage von Fahrzeugen aufgrund komplexer Vorgänge noch zum großen Teil von Hand. Kaum zu glauben, denn heute ist Automotive eine der Top-Branchen unter den deutschen Digitalisierern. Eine Vielzahl an digitalen Neuerungen macht die Arbeit in der Automobil-Fertigung nicht nur wesentlich effizienter und fehlerfreier, sondern auch einfacher für die Mitarbeiter.

Damit auch Sie den Überblick behalten, welche Möglichkeiten die Digitalisierung in der Fertigung bereits geschaffen hat, haben wir ein paar interessante Beispiele für Sie zusammengefasst.

1. Die digitale Fabrik in 3D

Die digitale 3D Fertigung ist jetzt auch in der Automobil-Industrie angekommen. (Quelle: Zapp2Photo/iStock)

Viele Automobil-Konzerne setzen schon jetzt auf einen sogenannten „Digitalen Zwilling“ der kompletten Fertigung. Die Fabrik wird hierbei mit allen Bestandteilen in 3D digital und maßstabsgetreu abgebildet, und bietet dadurch deutlich einen entscheidenden Vorteil: Neue Prozesse oder ein Umbau der Produktion können vor der Implementierung digital erprobt werden.

Konkret bedeutet das, dass Änderungen von Arbeitsschritten, räumliche Umstrukturierungen oder ein ganzer Modellwechsel zunächst digital analysiert werden können, bevor sie sozusagen „am Fließband“ umgesetzt werden. So fallen eventuell auftretende Schwierigkeiten schon auf, bevor die Änderungen live erfolgen.

Das spart nicht nur Zeit, sondern verhindert auch kostenintensive Produktionsausfälle durch unvorhergesehene Probleme. Auch im laufenden Betrieb ist der Abgleich von realer und „Modell“-Fertigung sinnvoll: Indem der Soll- und Ist-Zustand stets gegenübergestellt werden, können Abweichungen im Fertigungsprozess bereits frühzeitig entdeckt und entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden.

2. Smart Logistics schaffen den Überblick

Noch bevor es an die eigentliche Fertigung geht, helfen Smart Logistics, die ganze Zulieferkette im Blick zu behalten. Das Prinzip ist einfach: Von der Bestellung, über den Lieferprozess, bis hin zum Eingang der Bauteile werden laufend Daten erfasst und ausgewertet. So ist es für Fertigungs-Mitarbeiter kein Problem, über die gesamte Lieferkette hinweg stets auf dem neuesten Stand zu bleiben – und das in Echtzeit.

Wichtig wird diese Technik vor allem dann, wenn es auf dem Transportweg zu Verzögerungen kommt. Durch Smart Logistics weiß die Fertigung stets Bescheid, sollte es einmal zu unerwarteten Lieferengpässen kommen. Da die Informationen in Echtzeit übertragen werden, können Mitarbeiter sofort reagieren und sich beispielsweise um Ersatz-Bauteile kümmern, sodass es erst gar nicht zu Produktionsausfällen kommt.

3. Roboter packen an, Assistenzsysteme denken mit

Die Digitalisierung kommt den Fertigungs-Mitarbeitern nicht nur über verbesserte Prozesse zugute – auch die unmittelbare Arbeit wird maßgeblich erleichtert. Das geschieht über smarte digitale Helfer, die den Arbeitern im wahrsten Sinne des Wortes unter die Arme greifen.

So können etwa intelligente Robotersysteme die Mitarbeiter entlasten, indem sie ermüdende oder unergonomische Tätigkeiten übernehmen. Das passiert allerdings nicht hinter Schutzzäunen, sondern direkt Seite an Seite mit den menschlichen Kollegen. Die kollaborativen Roboter, kurz „Cobots“ genannt, können neue Arbeitsschritte und die richtige Interaktion mit den Mitarbeitern selbstständig erlernen – und so den Arbeitsalltag erleichtern.

 

Die digitale Fertigung im Volkswagen Konzern.

 

Als „Add-On“ direkt am Menschen gehören in vielen Betrieben auch digitale Assistenzsysteme schon zur festen Ausstattung der Fertigungs-Arbeiter: So wurden etwa in einem BMW-Werk bereits Smartwatches getestet, die die Mitarbeiter informieren, sobald beispielsweise ein Fahrzeug mit besonderen Anforderungen auf dem Fließband ankommt. So ist der Träger des Gadgets sofort im Bilde, dass gleich ein spezieller Arbeitsschritt folgen oder eine besondere Anzahl an Schrauben verwendet werden muss.

 

„Für die Automobil- und Automobilzulieferindustrie ist die unternehmensübergreifende Digitalisierung entlang der Geschäftsprozesse seit langer Zeit eine Selbstverständlichkeit. Zu EDI-Prozessen und Portalen gesellen sich immer mehr Digitalisierungsprojekte, welche nicht ausschließlich vom Automotive-Kunden getrieben werden. Typisch sind hier bspw. die Einbindung kleiner Lieferanten in die Geschäftsprozesse durch Scannen und Verarbeiten von Dokumenten oder auch die Nutzung von SAP aus gegebenen Dokumenten mit eingebetteter Geschäftslogik. Letztendlich gibt es noch viele Bereiche, die nicht durchgängig digitalisiert sind – man denke nur an die Durchdringung der Lieferkette bzgl. der Versendung von Gutschriften (ERS-Verfahren) via EDI statt anstatt Rechnungen auf Papier zu empfangen und aufwendig zu digitalisieren.“ Richard Lorenz, Business-Unit-Leiter Automotive, All for One Steeb AG

 

Die Automobil-Branche wird digital

In einigen Fertigungsbetrieben sind die beschriebenen Technologien noch in der Testphase, doch vielerorts sind sie bereits jetzt implementiert und gehören zur festen Ausstattung. So profitiert auch die Fahrzeug-Fertigung immer stärker von der Digitalisierung, indem Prozesse automatisiert und vereinfacht sowie die Fehlerquoten minimiert werden.

Quelle: PhonlamaiPhoto /iStock

Mittelstand.Heute Redaktion

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